- - CITYMAP: WEIMAR - SARAJEVO

„Kunst und Gedenken“ war das Thema, zu dem 21 Studierende aus 13 Ländern im Rahmen des Projekts Citymap Performances, Installationen, Aktionen und Interventionen im Weimarer Stadtraum realisierten. Intensive Recherchen im Stadtarchiv Weimar sowie im Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde in Erfurt und im öffentlichen Raum bildeten die Grundlagen, um mit dem je eigenen kulturell geprägten, oft auch sehr subjektiven Blick eine Auseinandersetzung mit der Stadt und ihrer komplexen Geschichte zu führen. Der Schwerpunkt dieser künstlerischen Untersuchungen und Interventionen lag auf kaum sichtbaren Spuren der DDR-Vergangenheit der Stadt, aber auch ihre Rolle während der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft und ihre historische Bedeutung als Ort der Weimarer Klassik wurde in den Arbeiten behandelt.

Die Werke befragten und erprobten die Prozesse von Erinnern und Vergessen. Dabei gingen sie der Frage nach, wie so genannte lieux des mémoire, also Erinnerungsorte, öffentliche wie private Erinnerung schaffen. Sie thematisierten die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit des Vergangenen im Jetzt. Darüber hinaus untersuchten sie die Frage, wie sich die Wahrnehmung von Geschichte mit unserer eigenen individuellen Biografie und kulturellen Identität verspinnt. Durch die Interventionen knüpften die Arbeiten ein neues Netz der Erinnerung, das sich als ganz anderer Stadtplan auf die Straßen und Plätze von Weimar legte und somit die Stadt neu entdecken lies.

Schauplätze der Kunst waren unterschiedliche öffentliche und private Räume in Weimar, beispielsweise eine Bäckerei-Filiale oder ein Waschsalon. Sehr populäre Orte, wie das Goethe und Schiller Denkmal vor dem Deutschen National Theater, wurde Hauptfigur für ein im Internet veröffentlichtes Video mit dem Titel Whymar. Auch Orte, die im Stadtplan verloren gingen, wurden aufgegriffen, wie das Weimarer Uhrenwerk. Dort erinnerte eine interaktive Audio-Installation an die Weimar Wecker. Außerdem wurden dabei persönliche Erinnerungen von ehemaligen Arbeitern der Fabrik festgehalten und ihr Interesse am Geschichten-Erzählen geweckt.

Neben Weimar war auch Sarajewo (Bosnien und Herzegowina) Ort künstlerischer Interventionen. Gemeinsam mit dem Künstler Jusuf Hadzifejzovic wurden teilweise leerstehende Geschäftsräume in einem unterirdisch gelegenen Kaufhaus bespielt. Dieser Nicht-Ort der doch traditionsreichen Stadt diente in besonderer Weise dem Erforschen der Gegenwart der Geschichte im Stadtraum. In diesem Zusammenhang wurde das Projekt Citymap im Rahmen des Festivals Sarajevo Winter präsentiert.

Bereits im Vorfeld der Ausstellung wurden von 27. bis 31. Januar 2010 künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum von Weimar umgesetzt. Während der Schau in den Galerieräumen der marke.6 wurden begleitend verschiedene Vorträge und angeboten. Darüber hinaus erschien ein Katalog.

Beteiligte KünstlerInnen:

Johannes Abendroth, Alma Alloro, Anthony Antonellis, Loukas Bartatilas, Grace Bayer Prince, Li-Shih Chen, Ben Craig, Sofia Dona, Juan G. Caicedo D., Rosa van Goudoever, Xinglang Guo, David Knowles, Jennis Le Cheng Tien, Angeliki Makri, Natalia Matta-Landero Kimberly Meenan, Yvonne Morales Taulsen, Thalia Raftopoulo, Carly Schmitt, Eriphyli Veneri

 

 

Wann 28.05.2010 bis 27.06.2010
Wo Neues Museum, Weimarplatz 5, Weimar
Kuration Johannes Abendroth, Eriphyli Veneri, Natalia Matta-Landero, Alma Alloro, Yvonne Morales-Traulsen
Projektkoordinator Frederik Esser