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Die dritte Ausstellung im Winter 2008 widmete sich den unterschiedlichen Positionen politischer Praxis in der zeitgenössischen Kunstproduktion an der Bauhaus-Universität Weimar.

Ausgangspunkte der Ausstellung waren die politische Geschichte des Bauhauses sowie die Frage, wie viel Spielraum für eine politische Praxis an Hochschulen und vor dem Hintergrund zeitgenössischer Erscheinungsformen politischer Kunst heute denkbar ist. Die Begrifflichkeit der Zeitgenossenschaft enthält dabei an sich schon die Teilhabe an der Gegenwart, an gesellschaftlichen Prozessen. Wie kann diese Teilhabe also aussehen?

Zeit seines Bestehens war das historische Bauhaus ein Politikum. Dreimal wurde es geschlossen – in Weimar, in Dessau und schließlich 1933 in Berlin. Die experimentelle Ausrichtung seines Lehrprogramms, die internationale Studentenschaft boten hier Anstöße. Politischer Druck in Form zunehmender nationaler und nationalsozialistischer Kräfte hat diese Schließungen befördert. Walter Gropius hatte bereits im Dezember 1919 einen Bauhaus-internen Erlass herausgegeben, wonach die Studierenden sich politischer Aktivitäten enthalten sollten.

Mit welchen Arbeiten, ästhetischen Strategien, Formaten und Zielen geschieht politisches Engagement? Wo steht das Individuum, wo werden Kollektive gebildet? Welche Entdeckungen, Einsichten und Enthüllungen sind gegenwärtig?

Die marke.6 begab sich mit diesen Fragen auf die Suche nach politischer Gegenwartskunst. Ihre dritte Ausstellung wagte den Versuch einer Antwort in Form der Präsentation von dreizehn Positionen, die gesellschaftliche Zusammenhänge, etwa politische Ideologien und Manifeste, reflektierten sowie auf politische Missverhältnisse hinwiesen.

So setzte sich beispielsweise die Künstlerin Monica Sheets mit der allgemeinen Meinungsfreiheit auseinander. Laut Artikel fünf des Grundgesetzes ist jedem Bundesbürger die Meinungsfreiheit garantiert. Häufig wird diese Freiheit jedoch von gesellschaftlichen Zwängen und Konventionen beschränkt. Um nicht anzuecken oder gar jemanden zu verletzen, hält man oftmals seine Meinung hinterm Berg. Zumeist ist dies auch sinnvoll, doch manchmal möchte man sich fragen: Wie kann ich meine Gedanken völlig frei nach außen tragen? Mit der Performance Free Speech Surrogate gab die Künstlerin jedem die Möglichkeit, sein Recht auf Meinungsäußerung wahrzunehmen, ohne sich solche Dinge sorgen zu müssen. Einen weiteren interaktiven Ansatz verfolgte Johanna Warm. Sie richtete den Blick der Besucher auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, indem sie jenen am Beispiel der Siedlungspolitik abstrahiert darstellte. Ihr raumgreifendes Spiel Nachbar. Auge um Auge. Haus um Haus forderte dazu auf, selbst die Rolle einer der Konfliktparteien einzunehmen. Und Nicolas Vionnet befasste sich mit der Vernichtung und Rekonstruktion der schriftlichen Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in seiner Arbeit Papierwiese. In den letzten Monaten der DDR zerstörten Mitarbeiter der Staatssicherheit große Teile ihrer Unterlagen. Ihre Schnipsel füllen bis heute viele hunderte Säcke, die wieder rekonstruiert werden müssen. Diese nach wie vor aktuelle, sowie brisante, politische Situation griff der Künstler auf, da er der Meinung ist, „Es [sei] schon über so viele Dinge Gras gewachsen, dass man eigentlich keiner Wiese mehr trauen [könne].“

Neben den studentischen Arbeiten zeigte die Ausstellung auch Schriftstücke von Walter Gropius, dem Direktor am historischen Bauhaus. Sie gaben Zeugnis von den politischen Diskussionen um das Bauhaus in seinen Gründungsjahren.

Teilnehmende KünstlerInnen:
Benedikt Braun, Cindy Brumshagen, Anna Gierster, Johannes Harth und Canan Yilmaz, Otto Oscar Hernandez, Irene Izquierdo, Ronny Korn, Monica Sheets, Thilo Skusa, Daniel Caleb Thompson, Nicolas Vionnet, Johanna Warm, Turbine

Jury

  • Kerstin Niemann
  • Steffen Schumann
  • Prof. Dr. Olaf Weber
     

Wann 24.10.2008 bis 11.01.2009
Wo Neues Museum, Weimarplatz 5, Weimar
Produktionsleitung Dörte Ilsabé Dennemann