- - WENN ICH RENNE, RENNT AUCH DIE WELT MIT

Wie kann man sich komplexen Phänomenen wie denen des Zufalls oder Momentum, dem Wesen von Zeit künstlerisch nähern? Welche Analogien lassen sich hinter der zyklischen und doch offenen Rhythmik der Natur entdecken?

Die Gruppenausstellung Wenn ich renne, rennt auch die Welt mit widmete sich den experimentellen Betrachtungsweisen der drei MedienkünstlerInnen Ana Alenso (Venezuela), Rubén D`Hers (Venezuela) und Stephen Nolan (Irland), die in ihren Arbeiten nicht nur die Magie des Augenblicks untersuchten, sondern auch die künstlerische Vielfalt uns scheinbar vertrauter Objekte präsentierten.

Die Räume der marke.6 wurden hierfür in ein künstlerisches Versuchslabor verwandelt, in welchem die eigenen kreativen Prozesse beobachtet und erprobt werden sollten. In den Raumgreifenden Installationen der internationalen KünstlerInnen vermittelte sich ein Spannungsfeld zwischen alltäglicher Wahrnehmung, Phantasie und Translation.

Stephen Nolans Videoinstallation The Desert was a Sea once, Mother bekräftigte das Gefühl einer Dauer, einer Weile, die nicht aufhört: Ein Reiter, der auf seinem Ross beharrlich durch die Wüste trabt, ohne anzukommen. In der Arbeit entsteht so ein unendlich wirkender Augenblick, eine Illusion und die Idee einer Ewigkeit.

Ana Alenso, in ihrer Arbeit immer auf der Suche nach einer Übersetzung des traditionellen Begriffs des Objet Trouvé, präsentierte in der Ausstellung die einfachen doch faszinierenden Geheimnisse ihrer Alltags-Fundstücke: modifizierte Plattenspieler, die zu Klang- und Zeichenmaschinen werden oder den Betrachter in ihrer Installation Vom Leben für das Leben einer trügerischen Meereswoge überraschend nahe bringen, indem das Rauschen der auf die Plattenspieler gelegten Radios rotierend an einem vorbei klingt.

Rubén D’Hers kreierte mit seiner aufwendig installierten Klanglandschaft Strand eine musikalische Intensität, die den Ausstellungsraum mit einer harmonischen Komplexität füllte. Unzählige, auf dem Boden liegende Gitarren, deren Saiten von kleinen Ventilatoren angeschlagen wurden und so von selbst musizierten, vereinten sich zu einem autonomen Orchester, dessen Energie man sich nur schwer entziehen konnte.

Die Künstlerin Ana Alenso nutzte während der gesamten Ausstellungszeit einen Teil der Galerie als Arbeitsraum und hinterfragte das eigene tägliche Schaffen durch wiederkehrende performative Interventionen, in denen sie konzeptionelle und methodische Strategien auszuloten versuchte.  

Beteiligte KünstlerInnen:

Ana Alenso (Venezuela), Rubén D’hers (Venezuela) und Stephen Nolan (Irland) 

Wann 27.04.2012 bis 02.06.2012
Wo Neues Museum, Weimarplatz 5, Weimar
Kuration Anke Hannemann
Produktionsleitung Frederik Esser
Projektkoordinator Frederik Esser